Ich war gerade dabei die letzten Vorbereitungen für unsere kommende Lagerei vorzubereiten, als Haldor wie ein Blitz in unsere Behausung platze. Meine Sippenwache, sichtlich ausser Atmen, musste sich erst einmal beruhigen und schnappte nach Luft. Selten, dass ich diesen Raben so aufgeregt zu Gesicht bekam.
«Was bei Odins Raben ist denn in dich gefahren?», fragte ich Haldor und liess mich in einem unserer Sessel nieder. «D…Der…Der Drache und die di…die Lady. Sie geben sich das Ja-Wort Kalle.», stotterte meine Sippenwache, immer noch Luft ringend in meine Richtung. «Ja potz Blitz und Donner. Da soll mich doch der Blitz beim Scheissen treffen. Da hat der alte Haudegen es doch endlich geschafft sich zu überwinden und sie zu fragen. Haldor!!!! Sattel die Pferde, spann den Karren – wir ziehen aus und geben dem Drachen und der Lady die Ehre.», sprach ich voller Inbrunst zu Haldor während ich mich aus meinem Sessel langsam erhob und beide Fäuste in die Hüften legte. «Und….was ist mit Runa und den Anderen mein Jarl?», gab mein Freund recht verwirrt und fragend von sich. «Achja..ähh..ja..selbstredend mein nicht mehr so beleibter Honigkuchen nasschender Zeitgenosse. Ich werde sofort Fynn entsenden um ihnen von diesem freudigen Ereignis zu berichten.», entgegnete ich Haldor und machte mich auf in mein Arbeitszimmer. «Hoffentlich ist dieser kleine verfressene Rabe schon wieder zurück von seinem letzten Auftrag. Dieser hatte schon gefühlt eine Ewigkeit gedauert.», sagte ich zu mir selber und verdrehte dabei die Augen.
Und so kam es auch. Am Ostersamstag im Jahre zweitausendundvierundzwanzig sollte es dann soweit sein. Der Dache und die Lady würden sich das Ja-Wort geben und so kamen sie von überall her geflogen.
-Das Frohburger Gesyndel-
-Die Schwarzen Raben-
-Der Björns Klan-
-Das Haus von Thyria-
-Das Haus von Ehrendingen-
-Das Haus von Toggenburg-
-Midgard Ulf Kjeden-
-Stefan zu Wilchingen, Hauptmann und Erbgraf zu Hirschthal-
-Sagitta Draco-
-Das Schweizer Heerlager der Weissen Wölfe-
-Sir Ottow von Erguel & Judith von WurzelKlang-
-Das Kyburger Fuchsrudel-
-Johann und Anna von Bechburg, die Freiherrn zu Falkenstein-
-Skriptorina vom Atelier Born to Paint-
Vergebt mir, wenn ich nicht alle Gäste aufzählen konnte, aber ich kann euch versichern, es war spektakulär. Runa & Haldor und ich kamen schon vor Alrik und Sif geflogen und fingen die Seelen des Brautpaares, sowie der ihrer Trauzeugen schon vorher ein – denn nacher würde dafür keine Zeit mehr sein und diese Vorahnung sollte sich dann auch bestätigen.














Sir Ottow von Erguel gab sich die Ehre, als Waffenbruder und Alchemist, den Drachen und die Lady zu vermählen. Als ich diese beiden Männer, wie so oft schon in den vergangenen Jahren, zu Gesicht bekam, musste ich wieder an das Jahr zweitausendundzwanzig denken. An das Jahr, in dem ich den Hauptmann vom Frohburger Gesyndel das erste Mal traf. Zu dieser Zeit war er noch ein Anwärter, in seinem erstes Jahr und nicht als Sir Wannrich vom Buchsgau und Hauptmann vom Frohburger Gesyndel unterwegs und doch wusste ich – dass ich noch viel Zeit mit diesem Mann verbringen würde, genauso wie mit Sir Ottow von Erguel.
Im darauffolgenden Jahr wohnte ich dann dem Ritterschlag der Beiden bei und auch dort sollte sich wieder meine Vermutung vom Jahr davor bestätigen. Nun sind weitere Jahre ins Land gegangen und ich stehe wieder zwischen diesen beiden Männern und fange für die Nachtwelt ihre Seelen ein. Also hatte ich doch all die Jahre recht gehabt und hätte ich einen Bart, ich hätte ihn wahrscheinlich darauf verwettet, dass ich mit meiner Vermutung aus dem Jahr der Pest, Recht gehabt hätte – aber zurück zur Trauung.
Sir Ottow schritt voran und betrat wie üblich als erstes das Festgelände und den Traualtar, während sich eine Stille auf den Festplatz in Olten legte und die Gäste schauten gebannt zu, was ihnen da geboten wurde. Langsam und mit stolzen Schritten lief der Hauptmann vom Frohburger Gesyndel auf den Traualtar zu und übergab seine Waffe als Zeichen des Friedens und der Liebe. So wie jeder, der diesen Bereich betreten wollte.
Die Ansprache von Sir Erguel berührte unsere Herzen und seine Darbietung als Alchemist zauberte ein Lächeln auf unsere Gesichter. Dafür sollten wir dankbar sein, denn viel zu wenig wird in diesen Zeiten gelacht. Gut zu wissen, dass wir mit Sir Ottow jemanden an unserer Seite haben, der dies zu schaffen vermag.








Und dann kam sie – Lady Berbelin vom Hallinwilari – des Drachen Lady und treue Begleiterin in so vielen dunklen Stunden. Mit ihren Töchtern und ihrer Mutter an ihrer Seite folgte sie Sir Wannrich vom Buchsgau auch an diesem Tage und trat mit ihm vor den Altar.
Lady Berbelin sagte an diesem Tag einen Satz zu mir, der mir noch Tage nach der Vermählung dieser beiden Häuser zu denken gab. Nicht im herkömmlichen Sinne und auch nicht negativ, aber mit einem Hauch der Erkenntnis.
«Ich bin zweimal glücklich geschieden und das wird auch so bleiben.»
Was sollte das heissen? Jetzt könnte ich weit in die Sphären der Philosophie abschweifen und Thesen aufstellen mit denen wir uns im Kreis drehen würden, aber ich glaube, was die Lady damit sagen wollte war – Egal wie dunkel die Zeiten auch sein mögen, es ist nie zu spät, sich und sein Leben zu verändern, um das zu finden was einen wirklich glücklich macht. Und ich würde meinen Sippenring darauf verwetten, dass sie damit Sir Wannrich vom Buchsgau gemeint hatte und sie nun keinen Grund finden würde das Drittel voll zu machen. Und ich fühlte, dass diese Worte von Herzen kamen.
Sir Erguel, der alte Alchemist, liess es sich nicht nehmen und zeigte uns, bevor er dem Brautpaar Brot und Wein überreichte, die Kunst der Alchemie. Pulver wurde in Brand gesteckt und flog durch die Luft und Flüssigkeiten wechselten wie von Zauberhand ihre Farben.
Die Tränen flossen und den Ahnen wurde gedankt. Die Gäste feierten mit dem Brautpaar bis in die Nacht hinein und sie werden diesen Tag wohl so schnell – nicht vergessen.







Denn nun ist es offiziell. Das Hause Buchsgau schrieb Geschichte und wir – Die Schwarzen Raben – waren wieder mit dabei. Ich wünsche dem Brautpaar, und ich glaube da spreche ich auch im Namen meiner Sippe, nur das Beste und mögen die Götter ihnen stets wohlgesonnen sein.
Die Schwarzen Raben werden noch lange ihre Kreise über das Frohburger Gesyndel ziehen und vor allem über das Hause Buchsgau.

Asa og Vana – Kalle Michalson – Jarl der Schwarzen Raben


